Leseprobe:

Aus heiterem Himmel

Feeling

Ich steh an der Reling
und fütter ne Flunder.
Das Schiff steigt nach oben
und fällt wieder runter.

Ach, Herrgott da droben,
so schlecht war mir nie!
Mir flattert die Hose,
mir zittern die Knie!

„He“, ruft der Matrose,
„es kommt Land in Sicht.
Ich seh‘s durch die Soße,
dort vorne ist Licht!“

– Nun spritzt mich ne große
Woge voll Gicht –
„Mach die Leinen schon lose!“
Doch das kann ich jetzt nicht.

Ich steh an der Reling,
fütter wieder die Flunder
und habe das Fe(e)ling:
Ich will ganz schnell hier runter.

 

 

Ne Meise

Hast Du ne Meise,
dann sei weise
und besser leise.
Sonst merkt ’s einer. Sch…!

 


Der Schinken

Wenn ich mal richtig traurig bin,
dann lauf ich schnell zum Kühlschrank hin.
Dort liegt ein Schinken, dick und fett,
den finde ich sehr nett!


 

Bissiges

Die Einladung

 

Ein Specht klopft einst am Apfelbaum.
Drin lag ein Wurm im schönsten Traum
von Blättern und von Knospen,
die wollte er grad kosten.
So rief er freudig: „Nur herbei,
das Futter reicht gewiss für zwei!“
Jedoch der Specht war nicht so klein
und steckte nur die Zunge rein.
Oh Graus,
da war es mit dem Räupchen aus!

 

 

Zum Fressen gern


Ein Otter sprach dereinst zum Fisch:
„Mein guter Freund, ich liebe Dich –
jedoch, ich muss ganz ehrlich sagen,
noch mehr mag Dich mein leerer Magen.
Drum wehr Dich nicht, sei nur nicht bange,
ich fang’ Dich doch, zier dich nicht lange!“

 

Der Fisch traut’ fast nicht seinen Ohren,
so schnell gab er sich nicht verloren.
Er duckte sich und schwamm davon. –
Derart geliebt, wer mag das schon?!

 

 

 

Vom Donner gerührt

Schöne Bescherung!


Mitten in der Nacht
bin ich aufgewacht.
Ich hörte es leise wispern.
Doch es war nicht das Christkind vor unsrem Tor.
Zwei Einbrecher standen mit ner Zange davor
und sagten ganz frech und auch lüstern:
„Wir sind heut Dein Gast,
gib her, was Du hast,
sonst hörst Du die Engelein flüstern!“

Fabelfaftes

Der Fuchs und die Katze
Frei nach den Brüdern Grimm


Die Katze traf im dunklen Tann
den Fuchs und sprach ihn freundlich an:
„Herr Fuchs, Ihr seid doch so gescheit,
was macht Ihr in der schlimmen Zeit?“

 

Der Fuchs, voll Hochmut, mustert sie
von Kopf bis Fuß und bis zum Knie
und knurrt sie schließlich mürrisch an:
„Was geht denn Dich das alles an,
Du Mäusejäger, dummer Narr,
Du Hungerleider?“, sagt er gar.
„Von Deinen Künsten lass mich hören,
sonst darfst Du mich nicht länger stören.“

 

Da sprach die Katze ganz bescheiden:
„Ich mag die Hunde nicht gut leiden.
Wenn sie mich jagen, springe ich
auf einen Baum, verstecke mich.“

 

„Ei, ist das wirklich schon das Ganze?
Du jammerst mich, bei meinem Schwanze!
Komm nur zu mir, ich will Dich lehren
mit hundert Künsten Dich zu wehren.
Ich hab voll Listen einen Sack
und täusche so das Hundepack.“

 

Kaum hatte er derart gesagt,
da kam ein Jäger auf der Jagd.
Die Katze sprang zum Baum geschwind,
damit der Jagdhund sie nicht find’.
Und konnte nun von oben sehen,
was mit dem schlauen Fuchs geschehen:

 

Die Hunde hatten mit dem Armen
bei Leibe wirklich kein Erbarmen.
Sie zerrten ihn wie wild am Fell.
„Macht Euren Sack doch auf ganz schnell!“,
rief sie hinunter, ihn zu necken,
„sonst bleiben Eure Künste stecken!“

 

...