Leseprobe

Kleine Reime

 

 

 

 

 

                Die Ratte

 

Ne Ratte rupfte rote Rüben
und rüttelte die Raupen raus.
Die Rettiche, die ließ sie liegen,
daran saß nicht mal eine Laus.

Schlängelei


Die Kobra und die Klapperschlange,
vor beiden ist mir schrecklich bange.
Da mag ich eine Viper
schon beinah etwas lieber!

 


Relativ


Ein klitzekleines Schneckchen
bewegt sich kaum vom Fleckchen.
Da kommt ein großer Schneck
bei weitem schneller weg.

 

 

Freche Tiergedichte

 

Gezeter in der Zeder


In der Zeder gibt’s Gezeter,
zwanzig Stare sind entsetzt:
Haben sich doch auf der Spitze
jetzt zwei Spatzen hingesetzt.

 

Kommt ganz leise eine Meise,
zwängt sich zwischen diese zwei.
Singt dann zaghaft ihre Weise:
eine zarte Melodei.

 

Dies verärgert nun die Spatzen
und die Stare werden keck.
Immer lauter wird das Schwatzen.
Plötzlich hört man lautes Klatschen –
und die Vögel fliegen weg.

 

 

 

Die Einladung


Ein Specht klopft einst am Apfelbaum.
Drin lag ein Wurm im schönsten Traum
von Blättern und von Knospen,
die wollte er grad kosten.
So rief er freudig: „Nur herbei,
das Futter reicht gewiss für zwei!“
Jedoch der Specht war nicht so klein
und steckte nur die Zunge rein.
Oh Graus,
da war es mit dem Räupchen aus!

 

 

  

 

Lustiges Gedicht

Morgens früh um acht

 

Weißt Du, was die Hex’
aus ‚Morgens früh um sechs‘
in Wirklichkeit um acht
statt Kaffee kochen macht?

Sie ruht in ihren Kissen
und wird nicht rausgeschmissen.

 

Um neun ist sie noch immer faul,
so holt sie ihren Schokelgaul
und reitet eine Runde,
bis zu der zehnten Stunde.

 

Um elf trinkt sie dann Milch,
die bringt ein kleiner Knilch
mit Honig drin und Zimt.
Du glaubst nicht, dass es stimmt?!

 

Nie würde ich es wagen,
was Falsches Dir zu sagen!
Ich kam bei ihr um zwölf vorbei,
da aß sie erst ihr Frühstücksei.

 

Und als die Turmuhr eins schon schlug,
gab es zu Essen nicht genug.
Die Suppe mit den Fischen,
war ja nicht aufzutischen. –

Vielleicht schaut sie bei Dir vorbei,
heut Mittag so um zwei?! 

 

 

 

Fabelhaftes

Der Fink und der Frosch

Frei nach Wilhelm Busch

 

Einstens saß ein Frosch im Wasser,
ein ganz dicker, fetter, nasser,
als ein Finkenlied erklang.
Neidisch wurd‘ er blass und blasser,
denn er war ein Finkenhasser.
Viel zu schön war der Gesang!

 

Wie er schäumt in seinem Schaume,
flog der Fink zum nahen Baume,
fing erneut zu trällern an:
„He, Herr Frosch, hier hängt ne Pflaume,
Ihr wisst sicher nicht im Traume,
wie man sie genießen kann?!“

 

Kaum hat dies der Frosch vernommen,
ist er rasch an Land geschwommen,
ruft hinauf: „Da komm ich dran.
Hab ich Anlauf erst genommen,
werd ich sie gewiss bekommen.
Finklein sprich, was sagst Du dann?“

 

Mühsam steigt er auf die Leiter,
klettert hoch und immer weiter,
kommt gar schließlich oben an.

Doch der Fink ist viel gescheiter,
packt die Pflaume und fragt heiter,
ob er denn auch fliegen kann?

 

In die Lüfte sich zu schwingen,
kann dem Fröschlein nicht gelingen.
Er stürzt ab, fällt auf den Bauch.
Hört er nun die Finken singen,
muss er seinen Neid bezwingen.
- Aber quaken kann er auch.