Leseprobe

Beispiel einer Theateraufführung:

Die Bremer Stadtmusikante

 

 

1. Akt

 

 

Bühnenbild: Dorfidyll mit Misthaufen links und Stadttor rechts, im Hintergrund Bäume des Waldes. Die Erzähler sitzen mit dem Gesicht zum Publikum nebeneinander in der Hocke vor der Bühne, .

 

Bauer und Esel treten auf, stellen sich in die Mitte der Bühne.
Der Bauer baut sich vor dem Esel auf, stemmt seine Mistgabel demonstrativ auf den Boden, stützt sich darauf. Der Esel scharrt widerwillig mit den Beinen.

 

Erzähler 1:   Zum Esel sprach dereinst sein Herr: 

 

Bauer:         Mein lieber Freund, ich mag Dich sehr,
                   doch da Du alt geworden bist
                   und nur noch teures Futter frisst,
                   so muss ich Dir ganz ehrlich sagen:
                   Du liegst mir wirklich schwer im Magen.
                   Das Beste ist, Du ziehst davon
                   und suchst woanders Deinen Lohn!

 

Bauer geht kopfschüttelnd nach links ab. Der Esel lässt den Kopf hängen, steht ratlos da.

 

Esel:             Ach, das sind ja schlimme Sachen,
                    was soll ich Ärmster denn nur machen?

 

Erzähler 2:    Er stampfte auf mit letzter Kraft,
                    und macht‘ sich auf die Wanderschaft.

 

Esel stampft mit dem Bein auf und marschiert auf der Bühne umher  in Richtung Stadttor.

 

Erzähler 3:    Er war noch gar nicht weit gekommen
                    da hat er Klagen schon vernommen.
                    Es war ein Hund mit Zottelfell,
                    der machte schrecklich viel Gebell.

 

Hund kommt mit eingezogenem Schwanz heulend auf die Bühne. Er jammert, als er den Esel sieht.

 

Hund:            Mein Herr, der hat mich fortgejagt,
                    dabei hab ich mich nie beklagt!
                    Ein Leben lang nur angekettet,
                    da hätte ich mein Fell verwettet,
                    dass ich’s im Alter besser fände –
                    und nun geht’s so mit mir zu Ende.
                    Das hätte ich mir nicht gedacht!
                    Wo soll ich bleiben nun zur Nacht?

 

Esel:             Ei, lieber Freund, sei nur nicht bange,
                    zu zweit wird uns die Zeit nicht lange.
                    Wir zieh‘n nach Bremen alle beide
                    und machen dort den Menschen Freude.   
                    Verdienen wir uns so das Futter,
                    dann ist das Leben doch in Butter.

 

Esel und Hund marschieren hintereinander auf der Bühne umher.

 

Erzähler 4:    Gesagt, getan, auf halber Strecke
                    kam einen Katze um die Ecke.

 

Die Katze kommt verängstigt angeschlichen, hinkt dabei.

 

Erzähler 5:    Die hinkte sehr auf einem Bein
                    und hatte manches Zipperlein.

 

Katze:           Ich kann nun kaum mehr Mäuse fangen,
                    da hätt’ man mich fast aufgehangen.
                    Ich konnt‘ dem Schicksal nur entweichen
                    durch schnelles mich von dannen Schleichen.