Leseprobe: Der Bauer und der Waldgeist


Eines Tages, als der Bauer wieder einmal mit dem Pferdefuhrwerk zum Holz holen in den Wald fuhr, da fiel einem Waldgeist, der gerade als Ameise unterwegs war, aus Versehen einer der Pferdeäpfel auf den Kopf und er wäre daran fast erstickt. Der Waldgeist war darüber so sehr erbost, dass er dem ahnungslosen Bauern die schlimmsten Verwünschungen hinterher schickte.
„Dir werde ich’s zeigen!“, rief er und fuchtelte wild mit den Armen. „Nie wieder sollst Du mir in die Quere kommen, wenn Dir Dein Leben lieb ist. Vom Pech sollst Du verfolgt werden, solange Du lebst!“ 
Dann stampfte er mit dem Fuß auf und ging nun in Gestalt eines vornehmen Mannes zornig davon.
Von diesem Tag an war alles wie verhext: Das Pferd begann zu lahmen und konnte nicht mehr vor den Wagen gespannt werden. Die Kühe gaben kaum noch Milch. ...

 

Ein ums andere Mal sagte der Bauer zu seiner Frau:
„Das geht doch wohl nicht mit rechten Dingen zu. Es kommt mir gerade so vor, als ob ein böser Fluch über unserem Hof liegen würde.“
„Lieber Mann“, tröstete ihn dann die Bäuerin, „wer sollte uns denn etwas Böses wünschen? Wir sind doch anständige Leute, die niemandem etwas zuleide getan haben. Es wird schon alles wieder besser werden.“
Doch es wurde nicht besser. Es wurde sogar noch schlimmer. Als dann eines Tages das letzte Schwein morgens tot im Stall lag und bald danach das letzte Huhn gestorben war, blieb ihnen nichts anderes übrig, als ihre Felder an einen reichen Edelmann, der gerade im Dorf weilte zu verkaufen, damit sie nicht verhungerten. Die Schulden wurden dennoch immer größer und am Ende besaßen die armen Bauersleute gar nichts mehr. ...


 



Von nun an mussten die beiden fern ab von der Welt in einer einsamen Holzfällerhütte leben. Zum Glück gab es hier wenigstens eine Quelle, aus der sie immer frisches Wasser schöpfen konnten. Doch ohne es zu wissen, waren sie in die Nähe des Waldgeistes gezogen. Dieser wohnte in einem alten, verlassenen Jagdschloss, das von einer hohen Mauer umgeben war, mitten im Wald. Sobald sich ein Mensch dorthin verirrte und durch das große Tor in den riesigen Garten trat, erstarrte er auf der Stelle und konnte sich nicht mehr bewegen. Die Bauersleute ahnten jedoch nichts von der Gefahr! ...